DAS IST DIE HOMEPAGE VON MARTIN LUKSAN UND DES VEREINS FÜR RHETORIK UND BILD

 
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Digitech aus USA

Der Gebrauch von Digitechnik wird durch Formen der Erpressung beeinflusst. Microsoft beschloss, Windows 10 ab Oktober 2025 zu beenden. Der User in Europa hatte diese Software vor sechs Jahren gekauft. Im Jänner 2026 hatte er plötzlich keinen Zugang mehr zum Internet. Das WLAN, das ihn mit dem Netz verbinden sollte, half ihm nicht. Es ist „lokal“ - seine Funkwellen reichen nicht weit. Der User musste auf Windows 11 umsteigen. Da aber das neue Betriebssystem mit seinem alten, intakten Computer unvereinbar war, musste er die neue Software gemeinsam mit einem neuen Computer kaufen. Im Netz schaute er sich seine Homepage an und fand ein weiteres Hindernis, verbunden mit Erpressung, vor. Man hatte von Amerika aus alle Webseiten neu verschlüsselt. Google zeigte durch ein auffälliges Zeichen an, dass die Website des Users „nicht sicher“ sei. Er musste die alte Verschlüsselung durch die neue austauschen (das SSL – System). Da er das nicht selber tun konnte, tat es die – europäische - Webplatz – Service - Firma für ihn. Sie machte daraus keine einmalige Aktion, sondern stellte einen monatlichen Betrag in Rechnung, der die jährliche Wartungspauschale erhöht.

So funktioniert das Digitech - Geschäft mit dem Massenkunden. In den USA werden Entscheidungen getroffen, die als technische Notwendigkeiten maskiert sind und – auf der ganzen Welt - neue Anschaffungen (und Zusatzgebühren) verlangen. Im Fall von Microsoft und Hewlett Packard bedeuteten die Neuerfindungen eine zeitlich begrenzte Nutzung, die im Kaufvertrag eines HP Computers mit Windows – Betriebssystem nicht drinnen steht. Der Kunde hatte damit nicht rechnen müssen. Die Konzerne in Amerika führten diese Änderung global ein und beendeten damit die vollen Funktionen der gekauften Geräte.

In punkto Digitech hat Europa gegenüber Amerika einen großen Rückstand. Auch seit es die EU gibt, ließ Europa das Internet, die neuen Computer, das Smartphone durchrauschen. Heute kann die Übermacht der amerikanischen Digitalwirtschaft auf europäischen Märkten kaum abgewehrt werden. Die EU bestimmt die Preise für amerikanische Produkte nicht mit, sie setzt die Wettbewerbsregeln für Europa nicht durch, und sie verändert nicht die Regeln für Soziale Medien aus Amerika. Das stark aufgegliederte Europa hat keinen einzigen Digi - Konzern hervorgebracht, der auf dem Weltmarkt mitspielt. Es kaufen staatliche und halbstaatliche Einrichtungen in Europa ihre technische Infrastruktur im Silicon Valley ein. Der holländische Pensionsfonds, liest man, kaufte seine Digitechnik dort ein. Für 200 Milliarden Dollar in nur wenigen Jahren. Europas Länder fördern die Konzerne in der Industrieregion südlich von San Francisco. Und europäische Politiker werben für das Valley, wenn sie wie einst ein österreichischer Kanzler das ganze Land ans globale Netz bringen wollen. Oder wenn sie wie ein Wiener Bürgermeister die dickeren Kabeln für das schnellere Internet in ganz Wien mit bezahlen wollen.

Die Digiwirtschaft des Valley wird von D. Trump geschützt. Das ist auch die tiefere Erklärung für die zweite Amtsperiode von Trump. Diese wird nicht primär durch die Rechtsextremen beim Sender „Fox“ und nicht durch die evangelikalen Prediger erklärt, sie hängt primär mit der Unterstützung durch das Valley zusammen. E. Musk gab für die Wiederwahl von Trump nicht nur eine Wahlkampfspende, er kaufte auch das Netzwerk „Twitter“ (das er in „X“ umwandelte) und gab dadurch Trump die Möglichkeit zurück, die öffentliche Debatte global wieder mitzugestalten. „Twitter“ hatte das Konto von Trump zuvor gesperrt. Offensichtlich wurde Musk durch die Chance motiviert, künftige EU – Regulierungen durch US – Politik abzuwenden.

Schatz 1930
Freiheit made in USA - Karikatur 2013

Das „Project 2025“ beschreibt detailliert eine längere Reihe von Maßnahmen für D. Trump. Auch davon wurde Musk sehr motiviert. Der Plan betrifft die Restriktionen in den USA. Der mit Vollmachten überhäufte amerikanische Präsident soll das demokratische System seines Landes durch Dienstanweisungen und Executive Orders schwächen. Dadurch soll er die Aufhebung der Gewaltentrennung in den USA vorbereiten. Was Trump auch tat („Project 2025“ wollte er nie gelesen haben). Und sein persönlich Beauftragter Musk marschierte als erstes zur „Homeland Security“ und zu den Behörden, die für die Regulierung und Besteuerung von Digitech – Konzernen zuständig waren. Dort strich er Dienstposten und entließ Beamte.

Ähnlich wie Musk haben die reichsten CEOs und Besitzer im Valley eine politische Agenda. Nicht nur eine kommerzielle. Sie stellen sich vor, wie die Erdbevölkerung, der sie durch ihren Reichtum nicht mehr angehören, arbeiten, leben und beherrscht werden soll. ZB. P. Thiel hat strengere Lebensformen für die Menschheit vor Augen, mit sich selbst als Besitzer einer künstlichen Insel. Die Software „Palantir“ soll die Massen überwachen. L. Ellison, der auf Datenbanken und ausgelagerte Datenräume spezialisiert ist, will der „Entsittlichung“ der Menschheit durch winzige Kameras entgegen treten. Solange diese „schöne, neue Welt“ noch nicht da ist, wird „Palantir“ von der CIA, vom FBI und vom Staat Israel genutzt, und die „Oracle“ - Produkte von Ellison werden an die NSA und an die Bank UBS verkauft.

Wirtschaft, Gesellschaft und Sprache geraten in den USA derzeit aus dem Gleichgewicht. Das Wort „libertär“ aus dem Munde eines amerikanischen Digitech – Kapitäns steht heute weniger für „Freiheit vom Staat“ als für den „Staat als Kunde Nummer Eins“. Der ruhelose Musk (wenig Schlaf und viel Ketamin) benötigt den Staat als Förderer und als Kunden. „Spacex“, seine Raumfahrtfirma, wurde mit Regierungshilfe gegen die NASA ausgeweitet. „Starlink“, sein Satellitensystem, brauchte Staatsgeld für den Ausbau. Heute bestimmt Musk allein, ob er es der Ukraine zur Verfügung stellt oder nicht. Nur „Neuralink“, den Chip im menschlichen Gehirn, bezahlt der Milliardär allein. So ist er angenehm davon befreit, den Erfolg dieser Forschung öffentlich zu evaluieren. Er publiziert einfach keine Forschungsresultate, doch eines Tages will er seine Erfindung an den Staat verkaufen. So gewinnt Musk dem Staat eine Menge ab. Ein Staat hat immer Geld (die Steuern!) und er wird als Geldquelle nie ganz versiegen.

„Revolution 4.0“ ist keine Übertreibung. Diese Headline meint die Technologie, die heute nicht zu nutzen eigentlich unmöglich ist. Sie ist die Grundlage sehr vieler Bereiche, in der Gesellschaft und in der Ökonomie. Als solche ist sie auch die Basis nationaler Sicherheit und moderner Bildung sowie eine (!) der Grundlagen menschlicher Kommunikation. Gerade weil sie zur Basistechnik wird, sollten in der Politik heute die Alarmglocken schrillen, wenn Digitech Wettbewerb in der Wirtschaft ausschließt, wenn sie die Staaten ausplündert und wenn sie anfängt, die Bevölkerungen zu überwachen. Die mentalen Gefahren sind ebenfalls schon erkannt. Dass ein Gehirn durch soziale Medien unzulässig vereinfacht werden kann, wird einem Schrift – Denker nicht gefährlich. Jungen Menschen aber – junge Gehirne sind knetbar - droht bei der Dauer - Nutzung solcher Medien ein Schaden.

Die Daten der Nutzer werden gesammelt und ausgewertet. Nicht nur für Werbung. Und die Nutzungs-Oberflächen der Geräte werden ungut gestaltet. So verurteilte ein Gericht in Los Angeles den endlos fortlaufenden Strom an abgerissenen Inhalten auf dem Bildschirm eines Smartphones. Der junge Nutzer kann den Strom nicht leicht verlassen. Die chinesische Plattform „TikTok“ war damals angeklagt. Die gleiche Suchtgefahr ist auch bei amerikanischen Internet – Medien gegeben. Richter in L.A. verurteilten gerade die Konzerne „Meta“ und „Google“ zu Geldstrafen, nur wegen ihrer Gestaltungsformen. Und in Dublin verhängte vor einiger Zeit die Aufsicht für Datenschutz in Irland eine Geldbuße wegen fehlender Transparenz bei der Plattform „Whats App“. Junge Leute, die im Grunde SMS gratis verschicken wollen, wissen nicht, dass ihre Daten von „Whats App“ respektive „Meta“ total ausgewertet werden.

Angeblich ist China den USA technologisch dicht auf den Fersen. Die in China hergestellten Batterien und Roboter sowie die KI aus China werden Amerika demnächst überrunden. Wenn´ s wahr ist. In punkto Digitech verhält sich China anders als die USA. Es will die menschliche Intelligenz durch KI ergänzen, nicht ersetzen. Was politisch gerade fehl läuft in den USA, ist für mehrere Wissenschaften klar erkennbar. Der amerikanische Staat im the land of the free protegiert nicht nur seine Wirtschaft durch Zölle, er protegiert auch seine größten Konzerne. Das Geld der Steuerzahler fließt in die notleidende Auto – Herstellung in Detroit, aber auch in die florierende Digitech – Produktion des Valley. Der US-Präsident kurbelt bestimmte Konzerne in die Höhe (die von Musk, Thiel, Ellison, Brin, Bezos, Zuckerberg usf.) und öffnet so jedem Nach - und Voraus - Denkenden die Augen. Problem Nummer Eins ist nicht die Beherrschung des Menschen durch die KI, sondern der zu enge Zusammenhang von politischer und ökonomischer Macht.

Bei den „Wiener Vorlesungen“ sagte Helga Novotny, sinngemäß: Wenn alles so weiter läuft wie bisher, wird eines Tages das Weiße Haus der Stadt Wien die Software in den Computern abdrehen, wenn es mit der Politik der Stadt Wien nicht einverstanden ist.


© M.Luksan, April 2026

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