Freie Kommunikation
Für Pro 7 kam Paul nach Wien und ließ sich von Peter ein Konzept für eine Fernsehserie geben. Der Freund zeigte ihm auch eine Rede des österreichischen Unterrichtsministers, in der das Land aufgerufen wurde, die "gesunde Ohrfeige" in der Erziehung als Verbrechen zu empfinden. Dann gab es einen zweiten Artikel, den Peter vorlas und der vom Handel mit schweren Drogen und dem neuen Business mit Kinderpornografie handelte. Diese beiden Zeitungsartikel versuchte Peter, gedanklich zu verknüpfen. Paul wollte nicht weiter darüber sprechen. Bürokraten, sagte er, die vom Schreibtisch aus das Sozialverhalten gestalten wollen, haben ohnehin keine Chance! - Ja aber große Medien können Einfluss nehmen, wenn sie dauernd In- und Out-Listen aufstellen. - Ach Gott! Wenn die Pferde einen Pferdeflüsterer benötigen, so ist mir das egal. Ich will niemanden beeinflussen und bei niemandem Gehör finden. Ich will nur frei sein - das ist alles. Da erlahmte Peter und er sagte bitter: Dafür hast du eine Analyse gemacht. Die Krankenkasse hat's bezahlt.
Tags darauf, nach einem Treffen mit einem Produzenten, war Paul besonders gut gelaunt: Nein nein Einfluss ist gar nicht schlecht. Ich will nur denen nicht helfen, die die Macht benötigen. Ich stehe denen zur Verfügung, die mit Frieden und Wohlleben zufrieden sind. - Auf einmal sprachen sie über Terrorismus. Das war für sie der primitive Griff nach derMacht und die veraltete Methode, sich an der Spitze eines Gemeinwesens zu halten. Die moderne Macht verteufelte den Terrorismus, lenkte so von sich selber ab, und wollte den Schrecken durch Einzelne mit der Wurzel ausreißen. Das war ein anregendes Gespräch. Peter brachte Paul zum Bahnhof und sagte beim Abschied zu ihm: Deine Scheu vor Bindung ist so groß, dass du lieber den gefährlichen Einzelnen erlaubst, als den
gläsernen Staatsbürger. Lieber die Typen laufen Amok, als sie werden langweilig ... Sie schüttelten einander lachend die Hand und sieben Tage später erfuhr Peter durch einen Brief von Paul, dass er sich die Mitarbeit bei der neuen Serie von Pro 7 aus dem Kopf schlagen könne. Sein Konzept zu einer Folge a la "Kir Royal" hatte angeblich nicht nur die Redaktion, sondern auch ihn, Paul, bitterlich enttäuscht. - Du feiges Schwein!, tobte Peter, hattest nicht den Mut, in einer Redaktionssitzung mein Konzept gut zu finden. Damit war ihre Beziehung beendet und sie sahen einander viele Jahre lang nicht, ehe sie der Zufall wieder zusammenführte, Paul sich entschuldigte und Peter ihm verzieh.
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