DAS IST DIE HOMEPAGE VON MARTIN LUKSAN UND DES VEREINS FÜR RHETORIK UND BILD

  
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Der Ausschluss


Der Subventionsgeber stützt diesen Bereich, die großen Medien betonen seine Wichtigkeit: der sogenannte „Kulturbetrieb“ bildet auf der ganzen Welt regionale Inseln der Exklusivität. Die draußen sind meist nicht im Licht und schimpfen von außen auf den Betrieb hin. Die drinnen sind manchmal sehr bedeutsam, manchmal total aufgeblasen und völlig unwichtig und werden – wie die Angehörigen eines Londoner Klubs – von den Schmähungen der Außenstehenden nicht erreicht. Wegen dieser allgemeinen Struktur von Kulturbetrieb sollte man die österreichischen Kulturöffentlichkeit, obwohl sie eine eigene schlechte Eigenschaft aufweist, die der Literat und der Künstler in Paris oder in New York angenehm vermisst, nicht als Reich der Täuschung und der Niedertracht ansehen. Wenn es Täuschung und Niedertracht gibt, so haben Einzelne das geleistet.

In Österreich – speziell in Wien – gibt es zu wenig Kommen und Gehen und zu wenig Platz. Die, die immer schon da sind, treten denen, die neu hinzukommen, auf die Zehen. Akademisch ausgedrückt: Wichtige Funktionen werden wie Pfründe gegeben und lebenslang ausgeübt. Wer sich mit einem Pfründner anlegt, der bis zu seinem Ableben im Amt verbleibt, hat jahrzehntelang ein Problem.

Harry Kuhner ist 1963 als Achtundzwanzigjähriger nach Wien zurückgekehrt. Er hat das besagte Problem in der Person von Wolfgang Kraus schmerzlich erfahren. Der bekannte Literaturgesellschafts-Präsident war der literarischen Vielfalt offensichtlich nicht so freudig verschrieben und bei seinen Gutachten und Empfehlungen nicht so vollständig von der Liebe geleitet wie sein Dauerlächeln dies versprach.

Herbert (Harry) Kuhner erinnert sich:
Meine Einladung zu einem Literaturtreffen in Australien wurde vom Außenamt – Kulturberater Dr. Wolfgang Kraus abgefangen und torpediert. Er berichtete über mich: „Herr Kuhner ist ein überaus schwacher Autor, von dem man kaum annehmen kann, dass er Österreich in gutem Sinne vertreten wird.“ Nachdem ich darüber im Londoner „Index on Censorship“ geschrieben hatte, wurde ich ins österreichische Außenamt zitiert. Diese Zusammenkunft entpuppte sich als ein Verhör, das wohl über zwei Stunden dauerte. Zwei Beamte versuchten, mich einzuschüchtern und zu einer schriftlichen Selbstkritik zu bewegen: „Herr Kuhner, Sie haben in österreichischen und ausländischen Zeitschriften den Ruf eines Ehrenmannes befleckt. Wenn Sie Manns genug sind, werden Sie sich bei Dr. Kraus entschuldigen.“ Das lehnte ich ab.
(…)
Nachdem er 1985 bei Schocken Books „Austrian Poetry Today / Österreichische Lyrik heute“ veröffentlicht hatte, schlug mir der Chefredakteur Emile Capouya vor, einen Roman über meine Erlebnisse in meinem Geburtsland zu schreiben. Ich folgte seinem Ratschlag mit „Der Ausschluss: Memoiren eines 39 ers“.


Folgender Auszug:
Ich konnte es kaum glauben, dass das „Wiener Journal“ einwilligte, das Buch (Der Ausschluss, Anm. Redaktion) zu veröffentlichen. Kurz danach folgte freilich die Bedingung, dass ich mein eigenes Impressum verwenden und um Unterstützung selber ansuchen müsste.
Ich hätte auch Posten, die offen blieben, am Ende zu bezahlen. Doch ich erhielt eine Subvention durch das „Wiener Journal“ und stellte eine Verbindung mit Ariadne Press in Kalifornien her. Daraus ist Janko Ferks “Buried in the Sands of Time” entstanden. Dann sah ich, dass der Name des Übersetzers – mein Name - auf dem Umschlag fehlte. Als ich mich darüber beschwerte, wurden Texte von mir in der Dezember 89 - und Jänner 90 – Nummer des „Wiener Journals“ nicht mehr gebracht. Ein zweisprachiger Band in der Edition Atelier wurde ebenfalls zum Konflikt, weshalb der Chefredakteur des „Wiener Journals“ eine Aussprache vorschlug. Ihn rief ich am 14. Februar 1990 an. „Sie haben ein schlechtes Benehmen“, sagte er am Telefon, „Was Sie machen, ist ekelhaft. Sie haben einen Verfolgungswahn.“ Ich sagte ihm, dass wir nur ein Treffen vereinbaren wollten, und er nannte mir den 1. März. Dann begann er wieder mit schweren Vorwürfen und ich konnte mir eine spitze Bemerkung nicht verkneifen. Wenn er von schlechtem Benehmen spräche, sollte er doch einmal in den Spiegel schauen. Da sagte er „Termin abgesagt“ und legte auf.

Und er schickte mir eine Rechnung, in der er verlangte, dass ich die Subvention, die das „Wiener Journal“ für meine Arbeit bekommen hatte, an die Zeitung zurückzahlen sollte. Von der Summe zog er mein Übersetzer-Honorar für das Ferk-Buch und die Verkaufserlöse für mein Buch „Der Ausschluss“ ab. Am 19. März 1990 schrieb die Edition Atelier an die Verlagsauslieferung: „Wir streichen aus unserem Verlagsangebot den Titel Kuhner: Der Ausschluss. - Bitte veranlassen Sie, dass alle noch lagernden Exemplare an den Autor zugestellt werden.“


Wie kam es nun dazu, dass ein freier Autor von einem Kulturbeamten pauschaliter disqualifiziert wurde? Was hatte Kuhner angestellt, dass ihm Wolfgang Kraus für Deutsch und für Englisch die Qualitäten des Dichters und des Schriftstellers absprechen musste?
Hier gibt es eine Vorgeschichte und wir bringen sie hintennach.

Fortsetzung folgt.

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